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Deutscher Astronomietag 2022
Der Nebel NGC7635 darf eigentlich in keiner fotografischen Bildersammlung fehlen. Hierbei handelt es sich um einen HII-Emissionsnebel im Sternbild Kassiopeia in einer Entfernung von 7100 LJ. Die Bezeichnung leitet sich, wie unschwer zu erkennen ist, von dem blasenförmigen Aussehen ab.
Angetrieben wird diese Blase durch den Stern SAO20575, Der Zentralstern wird als O6nfp klassifiziert. Der Stern heißt in der Literatur meist BD+60°2522, weil er zuerst in der Bonner Durchmusterung katalogisiert wurde. Es ist also ein O-Stern mit den Pekuliaritäten n,f,p (siehe dazu hier Harvard Education ). Er ist wasserstoffreich mit mehr oder weniger solaren Elementhäufigkeiten im Gegensatz zu den Wolf-Rayets Sternen wie man vermuten könnte.
 
Dieser hier besitzt noch etwa 40 Sonnenmassen (die Angaben variieren sehr stark) welche stark abnimmt, einer Oberflächentemperatur von 60000K bei einer etwa 100 000-fachen Leuchtkraft unserer Sonne. Die Sternwinde verlassen den Stern mit etwa 2500km/h. Die Blase selbst besitzt einen Durchmesser von etwa 6 Lichtjahren. Die umgebende Molekülwolke trägt die Bezeichnung Sh2-162 Der sehr helle Stern rechts erzeugte leider ein massives Halo, welches sich leider nicht beseitigen lies. Da Sterne in Aufnahmen, welche in der Hubblepalette bearbeitet wurden, sehr magentalastig erscheinen, wurde dies durch eine mathematische Formel entfernt.
 
Aufnahmedaten:
  • 36x300s HA
  • 36x300s OIII
  • 36x300s SII
  • Insgesamt 9h bei einer Brennweite von 2000mm mit der ASI1600MM
  • Bearbeitet nach der Hubblepalette (SHO).
Wie versprochen noch eine RGB-Aufnahme von NGC7635. Ursprünglich war diese gedacht, um die Sternfarben in der SHO-Aufnahme zu retten, da die Sterne in dieser, wie bereits geschrieben sehr magentalastig waren. Hatte aber Probleme damit, die Sterne in SHO ordentlich zu entfernen. Wäre nur mit erheblichem Aufwand möglich gewesen. Durch Einsatz von etwas „Pixelmathematik“ ging das dann doch wesentlich einfacher. Bei der RGB-Aufnahme kam dasselbe Instrumentarium zum Einsatz wie in der SHO-Aufnahme. Die Belichtungszeitenlagen hier aber bei jedem Kanal bei 16x180s, also insgesamt 144m.
 
Was versteht man unter einer „SHO-Aufnahme“?
Bei SHO-Aufnahmen erreicht man eine Kontrasterhöhung durch den Einsatz von Filterscheiben. Die Filter lassen nur bestimmte Wellenlängen des Lichts passieren. Es geht hier um die Wellenlängen bzw. Spektrallinien des Schwefels (SII, 672nm). Wasserstoffs (H-a, 656nm), Sauerstoffs (OIII, 501nm).
  • OIII-Filter: Der Schmalband-Nebelfilter lässt Licht mit 501 Nanometer passieren. Das ist die Linie, in der zweifach ionisierte Sauerstoffatome leuchten. Planetarische Nebel und Supernova-Überreste leuchten in dieser Farbe.
  • H-alpha-Filter: Dieser Schmalband-Nebelfilter lässt rotes Licht mit einer Wellenlänge von 656 Nanometer passieren. Das ist die Linie, in der HII-Gebiete (Wasserstoffnebel) leuchten.
  • SII-Filter: Der Schmalband-Filter lässt das Licht ionisierter Schwefelatome bei 672 Nanometer passieren. Das ist die Linie, in der viele planetarische Nebel, Emissionsnebel und Supernovaüberreste leuchten.
 
Das endgültige Bild wird per Software aus den SHO gefilterten Aufnahmen kombiniert. Neben der Zeit für die Aufnahmen am Teleskop, muss daher noch Bearbeitungszeit am PC berücksichtigt werden.